Weevil News |
http://www.curci.de/Inhalt.html |
No. 21 |
4 pp. |
15.
September 2004 |
ISSN 1615-3472 |
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Stüben, P.E. & Bayer, Ch. (2004): Das CURCULIO Institut etabliert sich in Ost-Europa! Report über die
3. internationale Konferenz des CURCULIO Instituts in Ochotnica Górna (Polen: West-Karpaten) vom 1.-7. August 2004. - Weevil News: http://www.curci.de/Inhalt.html,
No. 21: 4 pp., CURCULIO-Institute: Mönchengladbach. (ISSN 1615-3472). |
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Erst 2003 gegründet, zeigte sich das East European Office of
the CURCULIO-Institute unter der souveränen Leitung von Dr. Stanislaw Knutelski
(PL: Krakau) von seiner besten Seite. [W21. D1] Bis ins letzte Detail wurden die auf
sechs Tage angesetzten Exkursionen in die Hohe Tatra geplant, standen den
Teilnehmern aus der Schweiz, Japan, Frankreich, Italien, Deutschland,
Tschechien und Polen mit der Mountain Station des Department of Entomology der
Jagiellonian University ideale Labor- und Tagungsräume zur Verfügung. [W21. D2]
Beeindruckend war der Besuch im Landhaus von Prof. Boguslaw Petryszak in den
Wäldern der Gorce
Mountains. In perfektem Deutsch wusste er über
die große Zeit der polnischen Entomologie und seinen vielen Tatra-Exkursionen
mit Lothar Dieckmann in den 70er und 80er Jahren zu erzählen. [W21. D3]
Dass die Kollegen aus Polen aber nicht nur zu planen, sondern auch zu
improvisieren wissen, sollte sich am letzten Tag herausstellen. Der Tags zuvor im
Zoologischen Institut der Jagiellonian University (Krakow)
ausgebrochene Brand führte nicht etwa zum vorzeitigen Ende der CURCI-Konferenz
und der jährlich stattfindenden Jahreshauptversammlung [W21. D4], sondern zu einem noch
entschlosseneren Zusammenrücken der Mitglieder des CURCULIO Institutes in den
Privaträumen von Prof. Dr. Zbigniew Dabrowski (Department of Physiology of
Jagiellonian University), der uns spontan in seinem Haus „wissenschaftliches
Asyl“ gewährte. [W21. D5]
Der abschließende Besuch der Altstadt von Krakau bildete schließlich den
kulturhistorischen Höhepunkt einer international besetzten
Forschergemeinschaft, die in der Vielfalt der Sprachen und den
unterschiedlichen wissenschaftlichen Schwerpunkten eher eine Bereicherung der
Diskussion denn eine unüberwindbare Hürde sieht. [W21. D6]
Sechs Tage früh aufstehen, keschern, klopfen, sieben [W21. D27][W21. D28] – manchmal bis zum
Umfallen [W21. D7][W21. D8]. Es bleibt den Autoren einer
eigenen Publikation überlassen, uns eine kommentierte Artenliste mit den
Endemiten der polnischen Tatra in den WEEVIL NEWS noch im Jahr 2004 zu
präsentieren. [Knutelski, S. & Sprick, P] Hier gilt es, Erlebnisse und
Erfahrungen weiterzureichen, die erst wissenschaftliche Innovationen
ermöglichen. Das ist weit mehr als auf sterilen Konferenzen von Vortragssaal zu
Vortragssaal zu hüpfen. [W21. D9]
Dass jeder im Feld mit sich, seinen Rüsselkäfern und Wirtspflanzen allein
beschäftigt ist, bedarf eigentlich nicht der Erwähnung. [W21.
D10][W21. D11] Aber es ist nicht
selbstverständlich, dass an den langen Abenden im Lichte des Lagerfeuers [W21. D12] und im
Konferenz-Labor das gewonnene Wissen gleich weitergegeben wurde. [W21. D13] Voneinander lernen
ohne Gesichtsverlust [W21. D14],
ohne nach akademischen Reputationsmöglichkeiten zu schielen – wo darf man
solche Erfahrungen heute noch machen? [W21. D15]
Natürlich wurden bei dieser Gelegenheit auch kleine Vorträge gehalten. Aber
immer fragend-forschend – niemals einer gelangweilten Zuhörerschaft nur
präsentierend.
Offen z.B. mit dem Thema „Erstbeschreibung im Internet“ (P. Stüben) umzugehen,
nicht die Augen davor zu verschließen, dass dies kommen wird (in wenigen Fällen
schon Realität ist), sondern nach Möglichkeiten des „Wie“ zu fragen. (Ch.
Bayer) „Stabilität“ und „intersubjektive Kontrolle“ eher zu steigern, ohne die
Freiheit der Forschung zu beschneiden. Wir brauchen dazu nicht ein Mehr an
law-and-order (wir haben eh schon genug davon), sondern viel mehr Mut und
Kreativität auf die neuen digitalen Herausforderungen zuzugehen.
Das Durcheinander in der „Higher systematics of weevils“ ist für einige
beunruhigend (E. Colonnelli) [W21.
D16], für andere ist es das nicht. Schließlich können sich Tiere
paaren – Gattungen wurden dabei noch niemals beobachtet! (M. Kostal) Und mit
ein wenig fernöstlicher Weisheit kommt man auch weiter: „Lasst den akademischen
Streit und geht endlich an die Arbeit“ (H. Yoshitake) [W21. D17] Was wohl so viel heißen soll wie:
‚Betreibt endlich phylogenetische und biogeographische Forschung auf allen
Ebenen und diskutiert nicht immer wieder die Bedeutung einzelner Merkmale unter
eher „zufälligen“ Gesichtspunkten’.
Die Praxis kann jedoch selbst zum Problem werden – spätestens dann, wenn keiner
greifbar ist, der einem beim Bestimmen der Curculionoidea von Zypern behilflich
ist. (G. Alziar) Da reißt schon mal der Geduldsfaden, wenn man Jahre auf die
Bestimmungen der mit Kisten und Kästen umstellten Spezialisten warten muss. Es
geht aber auch hier anders: „Mache Deine kommentierte Artenliste endlich fertig
und bilde ab, was du nicht bestimmen kannst.“ (P. Stüben) Wo? Warum nicht in
den WEEVIL NEWS (Editor: P. Sprick) – wecke die Neugierde und die Eitelkeiten
des Spezialisten, der sich dann eben nicht im Feld, sondern im Internet auf die
Suche nach neuen Arten macht... „Sei gewiss, der stöbert deine digitalen
Habitus- und Aedoeagus-Abbildungen schneller auf, als du dich von Nizza auf die
Reise nach Zypern machen kannst.“ (N.N.)
Manchmal ging es an den Abenden aber auch sehr entomo-politisch zu:
„Rote Listen“ gehören für die einen zum politischen Werkzeug lahmen Regierungen
auf die Öko-Sprünge zu helfen. (P.Sprick) [W21. D18] Andere wiederum finden das gar nicht
lustig: Jeder neue Naturpark entpuppt sich dann für die nächste Generation der
Entomologen als Fallgrube, die bei nicht vorhandenen Sammel-Papieren schnell
zum türkischen oder spanischen Gefängnis werden kann.
Trotz dieser ambivalenten Aussichten darf man feststellen: Es blieb unter uns
phytophagen Rüsslern immer sehr friedlich und lustig. [W21. D19] Karnivore gehen da bekanntlich rüder
miteinander um.
Holt doch die Akademie ins Wohnzimmer, wenn es in der Universität wieder brennt!
Über das Brandopfer wurde im Alten Griechenland bekanntlich
viel geschrieben: Es reinigt die Sinne und Gedanken und fokussiert den Blick
auf das Wesentliche. Aber was ist das?
Eine „Gesellschaft“, die nur wächst, neue Mitglieder begrüßt und nicht-zahlende
Mitglieder entlässt – oder sich jedes Jahr im SNUDEBILLER etwas Neues einfallen
lässt? (Ch. Bayer & P. Stüben) So hat P. Stüben für alle Mitglieder eine
Power Point-Version zusammengestellt, in der nochmals bilderreich Wege,
Methoden und Ziele des CURCULIO Institutes vorgestellt werden. [W21. D20] Da lernen die
Rüssler in kleinen Video-Sequenzen wieder laufen, entfaltet sich die
scroll-picture-Leiste zur (un)endlichen Papyrus-Rolle und beginnt so langsam
wieder mit der ‚taxonomic menue’-Leiste das Jetten in der etwas museal
gewordenen Systematik Spaß zu machen. Vielleicht ist doch nicht alles nur pure
Wissenschaft, vielleicht geht es dabei immer auch um „Didaktik“ – schließlich
wollen wir keine lebenden Fossilien werden. Also, denkt an die nächste
Generation! [W21. D21]
Und die holt die Akademie dann endlich ganz ins Wohnzimmer. Beeindruckend
wusste der Jüngste im Bund sein „Phylogenetic framework for the tribe
Phytobiini“ zu präsentieren. (H.
Yoshitake) [W21. D22] Den kritischen
Hinweis, dass man trockenes Material nur bedingt zur genetischen Analyse
heranziehen dürfe (P. Tykarski), wird mit japanischer Höflichkeit umgelenkt in
die bittende Forderung: „Wenn das so ist, dann helft mir beim Suchen in Europa
– z.B. nach Pelenomus velaris.
(Vergesst aber dabei nicht den Alkohol mitzunehmen)“.
Dieser Bitte schloss sich dann der Kritiker gleich selbst an. Eine umfassende Datenbank
ist geplant – für die polnische Tatra. (P. Tykarski &
S. Knutelski). [W21. D23] Solche
faunistischen Großprojekte sind heute ideenreich am PC zu realisieren, aber
bleiben doch – auch das zeigt die Erfahrung – nur allzu oft auf halbem Wege
stecken, wenn die Mitarbeiter fehlen.
Der „pornographische Abschluss“ einer auf sehr hohem wissenschaftlichen Niveau
angesiedelten Konferenz wird jedem unvergessen bleiben. Es genügte da nur der
verstohlene Rundumblick in die weit aufgerissenen, staunenden Augen der
Computer-Freaks und Photographen der SNUDEBILLER-Redaktion. So etwas hatten sie
noch nie gesehen! Der Meister persönlich sollte sie mit seinen Filmen zum
Thema: „Male and female weevils: a look on sexual conflicts and reproductive
tactics“ sehr nachdenklich nach Hause schicken. Was Marek W. Kozlowski hier auf
die Leinwand projizierte, macht uns eines klar: Wir haben es nicht mit
„Käfer-Material“, nicht mit Holo- und Paratypen zu tun, nicht mit bloßen
„Objekten“ unserer akademischen Neugier. Was hilft es uns, wenn wir Arten
beschreiben, die es morgen nicht mehr gibt oder die unsere Kinder nur noch als
Holotypen im Museum bestaunen können?
„Ihr habt es mit ‚Subjekten’ zu tun, deren beste Anwälte ihr werden könnt, wenn
ihr nur wollt.“
– Marek, diese Botschaft ist bei uns angekommen!
Fazit
Eine in jeder Hinsicht gelungene 7-tägige Veranstaltung in
den
Westlichen Karpathen (Tatra, Pieniny, Gorce) und der Stadt Krakau und ein
unvergessenes Erlebnis zugleich. [W21. D24]
Und da wäre noch was: Lassen Sie
es sich als Mitglied des CURCULIO-Instituts nicht nehmen, mit uns wieder
in zwei Jahren (April 2006) auf die Reise zu gehen.
Wohin? Wir prüfen, ob der diesjährige Vorschlag aus der Mitgliederversammlung
mit den Kollegen vor Ort zu realisieren sein wird:
Die Kanarischen Inseln, Tenerife. [W21. D25]
Gabriel & Hélène
Alziar (F), Friedhelm Bahr (D), Christoph Bayer (D), Piotr Bialooki (PL), Enzo
Colonnelli (I), Christoph Germann (CH), Stanislaw Knutelski (PL), Michael
Kostal (CZ), Boguslaw Petryszak (PL), Peter Sprick (D), Robert Stejskal (CZ),
Peter Stüben (D), Jurek Szypula (PL), Piotr Tykarski (PL) und Hiraku Yoshitake
(J).
Stan, vielen Dank! [W21. D29]