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Weevil News |
No.2. |
9 pp. |
15 Juli 2000 |
ISSN 1615-3472 |
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Sprick, P. (2000): Die 1. Jahrestagung des Curculio-Instituts.– Weevil News: http://www.curci.de, No.2: 6 pp., CURCULIO-Institut: Mönchengladbach. (ISSN 1615-3472). |
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Die 1. Jahrestagung des Curculio-Instituts vom 17.-19.3. 2000 in Hannover mit einer |
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Exkursion in den Ith |
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von |
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Peter Sprick (Curculio-Institut) |
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Abstract |
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The
first meeting of the Curculio Institute in Hannover (17th to 19th
of March 2000) with a study trip into the Ith mountains |
In March 2000, the 1st
meeting of the Curculio Institute is organized in Hannover. Subjects of
lectures and discussions were the CD-Rom project of the Curculio Institute, the
bioindication potential of weevils and problems with larval systematics. A
lecture supported by slides allowed to take a look on Portuguesan and South
African weevils. The study trip into the Ith mountains (Germany, Lower Saxony,
southern part), characterized by beech forest on cliffs and boulders, revealed
four Cryptorhynchinae species. Acalles misellus was found for the first
time in the Hannover region, and the place is the second one, where Ceutorhyncus
interjectus is found in Germany.
Key Words
Germany, Ith mountains,
Coleoptera, Curculionidae, Cryptorhynchinae, Acalles, Anthonomus,
Ceutorhynchus, Rutidosoma, beech forest, Dohnsen cliffs, limestone, boulder
Tagungsbericht
Vom 17.-19. März 2000 fand die 1. Jahrestagung des Curculio-Instituts in Hannover statt.
Bereits am Freitag waren alle Teilnehmer eingetroffen, und der Abend wurde für einen ersten Austausch bzw. ein gemütliches Beisammensein genutzt. Am Samstag Vormittag wurden konzeptionelle Fragen diskutiert und diverse Beschlüsse insbesondere zur CD-Rom-Zeitschrift Snudebiller sowie zur neuen Internet-Zeitschrift Weevil News gefasst, die dem weltweiten wissenschaftlichen Informationsaustausch der Instituts-Mitglieder dienen soll. Peter Sprick (Hannover) wurde von den Teilnehmern gebeten, für dieses neue Publikationsorgan die Chefredaktion und die konzeptionelle Weiterentwicklung zu übernehmen.
Die großen Vorteile des Mediums CD liegen auf der Hand. So ist die Anzahl digitaler Fotos, insbesondere digitaler Makrofotografien und REM-Aufnahmen, praktisch "unbegrenzt".
Sehr lange Texte können untergebracht werden, und der kleine Kreis von Interessenten (max. 250 Kollegen / Westpaläarktis) kann aufgrund der erheblichen Kostenvorteile gegenüber den Printmedien umfassend informiert werden.
Für einen noch schnelleren Informationsaustausch soll dagegen das Publikationsorgan Weevil News geschaffen werden, das einen weltweiten Informationsaustausch via Internet gewährleisten soll. Nur wenige Wochen, im Idealfall nur wenige Tage, trennen die Fertigstellung des Manuskripts von der Veröffentlichung im Internet (abhängig von der Begutachtung). Die bis zu maximal 10 Seiten umfassenden Beiträge sollen reichhaltig illustriert werden. Während im Snudebiller vor allem umfangreichere wissenschaftliche Arbeiten sowie alle taxonomischen Arbeiten erscheinen sollen, werden in den Weevil News wissenschaftliche Kurzbeiträge und kleinere Arbeiten, Beobachtungen, Tagungsberichte und Rezensionen veröffentlicht. Die Beiträge der Weevil News sollen im Abstand von zwei Jahren in den Snudebiller übernommen werden. Taxonomische Beiträge dürfen im Internet, und damit auch in den Weevil News, aufgrund der strengen Richtlinien des Internationalen Codes der Zoologischen Nomenklatur nicht erscheinen. Ein mittelfristiges Ziel des Instituts ist es, ein Forum für die europäischen (bzw. westpaläarktischen) Curculionidologen zu bilden. Einzige Bedingung für eine Publikation in diesen Medien ist eine Mitgliedschaft im Curculio-Institut (CURCI e.V.).
Zu den Zielen des Curculio-Instituts gehört die Förderung der Curculionidologie, also die Wissenschaft von den Rüsselkäfern, die sowohl systematische und taxonomische, biologisch-ökologische und nicht zuletzt auch naturschutzrelevante Fragen wie den Schutz der Wirtspflanzen und der Lebensräume von Rüsselkäfern umfasst.
Am Samstag Nachmittag wurden vier Vorträge gehalten, die sich bis in den Abend hineinzogen (s.u.). Am Sonntag bildete eine Exkursion in den Ith, die insbesondere den Acalles-Arten und dem sehr seltenen Ceutorhynchus interjectus galt, den Abschluß.
Vortrage
Peter Stüben beschrieb in seinem Referat die wissenschaftstheoretischen und methodologischen Konsequenzen des zunehmenden Einsatzes von Fotos (und kurzen Filmsequenzen) auf die Nachvollziehbarkeit empirisch gewonnener Erkenntnisse. Er führte aus, dass das digitale Medium im Gegensatz zu den Printmedien in viel stärkerem Maße die Verwendung von Fotos, die Veranschaulichung der Ergebnisse und des methodischen Vorgehens durch Fotodokumentationen ermögliche, und dass dies deutliche Auswirkungen auf die Art und Weise des Erkenntnisgewinnes, die Darstellung und schließlich die "Verifikation" und "Falsifikation" der Ergebnisse haben müsse. Durch den verstärkten Einsatz von Fotos und wissenschaftlichen Illustrationen verändere sich die Rolle des Lesers, der vom Betrachter zum Beobachter bzw. vom fachkundigen Kritker zum Mit-Forschenden werde; ein erkenntnistheoretischer Gewinn, der weit über die wissenschaftlichen Möglichkeiten der Printmedien hinausgeht (z.B. bei der "Kompatibilität von Text und Bildserien in taxonomischen Arbeiten", "unmittelbare Verifikation / Falsikation taxonomischer Erkenntnisse").
Christoph Bayer befasste sich im nächsten Vortrag mit den Problemen der Larvalsystematik bei Rüsselkäfern. Larven verschiedener Unterfamilien zeigen große morphologische Ähnlichkeiten, die durch ihre endophage Lebensweise zu erklären sind. Diese führt zu einer Reduktion der Extremitäten, Borstenarmut, Abwesenheit von Farbmerkmalen, ähnlichem Habitus usw., d.h. zu einer großen Merkmalsarmut. Darüber hinaus führen sie durch ihre endophage Lebensweise ein verstecktes Leben und sind auch oft nur während weniger Monate im Jahr auffindbar/ bzw. als Larve vorhanden.
Bis zu dem Zeitpunkt, an dem die AG Acalles ihre Arbeiten aufnahm, war nur ein Individuum einer Acalles-Larve bekannt: Dies hatte erst 1992 zur Beschreibung der Larve von Acalles pyrenaeus geführt [Knutelski & Sczwalko 1992]. Auf den Kanaren konnten nun aber weitere Acalles-Larven in z.T. größerer Anzahl aufgefunden werden, wobei den Acallologen der begünstigende Umstand zu Hilfe kam, dass die Gattungsgruppe Acalles hier auch verschiedene Stauden besiedelt, was in weiten Teilen Europas nicht vorkommt, wo nur Totholz an alten Waldstandorten für eine Entwicklung genutzt wird.
Die Erforschung der Larvenstadien von Rüsselkäfern ist aufgrund ihrer versteckten Lebensweise problematisch, da die gezielte Suche sehr viel Zeit erfordert und oft ergebnislos verläuft. Da die Zeit während der Exkursionen begrenzt ist, ist es in vielen Fällen nicht vertretbar bzw. unverhältnismäßig, sich ausschließlich der Suche nach Larvenstadien zu widmen. Zufälle, aber auch Eintragen/ Mitnahme verdächtigen Pflanzenmaterials werden hier auch in Zukunft eine größere Rolle spielen. Bei den ektophag lebenden Larven sind die Chancen in der Regel deutlich besser; allerdings gibt es auch hier eine Reihe äußerst seltener bzw. nur in geringer Dichte auftretender Arten, deren Larven noch unbekannt sind und die auch bei gezielter Suche nur schwer aufzufinden sein werden (z.B. einige Donus-Larven).
In einem weiteren Vortrag beschäftigte sich Peter Sprick mit der Bedeutung von Rüsselkäfern als Indikatoren in der Landschaftsplanung. Gutachten zur Untersuchung von Rüsselkäfern werden nur selten vergeben, weil es für zahlreiche Bundesländer keine Gefährdungsanalysen gibt und auch, weil die Zahl der Bearbeiter vergleichsweise gering ist. Einerseits ist der hohe Artenreichtum ein begünstigender Umstand, da dadurch eine sehr differenzierte Beschreibung von Habitatqualitäten möglich ist; zum anderen bringt ein hoher Artenreichtum immer auch verschiedene Bestimmungsprobleme mit sich, so dass an der Bereitstellung besserer Bestimmungsmöglichkeiten (z.B. über CD) gearbeitet werden sollte. In den weiteren Teilen des Vortrags wurde auf für phytophage Käfer spezifische Risikofaktoren eingegangen (z.B. besteht bei eingeschränkt flugfähigen Arten eine starke Abhängigkeit von einem kontinuierlichen Erscheinen der Wirtspflanze und somit von großen bzw. gut verteilten Pflanzenbeständen). Raumbedeutsamkeit und Fragen der Bioindikation wurden ebenfalls angeschnitten, und es wurde eine vorläufige Indikatorartenliste vorgestellt. In der Diskussion wurde vor allem die FFH-Thematik angesprochen. U.a. wurde auf das Fehlen phytophager Käfer in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sowie auf den Vorschlag einer Aufnahme mehrerer submers lebender Bagous-Arten hingewiesen [vgl. Sprick 2000].
Gegen Abend bildete ein interessanter Diavortrag über Rüsselkäfer trockener und heißer Lebensräume (Südafrika, Portugal) den Abschluß. Christoph Bayer zeigte mehrere Beispiele, wie sich Rüsselkäfer hervorragend an ihre Umgebung durch Nachahmung von Strukturen oder Hintergrundfarben anpassen können. Beeindruckend waren vor allem die Bilder von den großen zwiebelbewohnenden, urtümlichen und flugunfähigen Brachycerus-Arten, die in Südafrika mit einer enormen Artenfülle vertreten sind und wohl die größten bekannten Rüßler hervorgebracht haben.
Exkursion
Nachdem es am Freitag und Samstag fast durchgehend geregnet hatte, kam am Sonntag früh die Sonne wieder heraus, und die in den Ith geplante Exkursion konnte doch noch stattfinden.
Bei der Exkursion in den Ith bei Ockensen/ Dohnsener Klippen oberhalb der Wasserbaumquelle am 19.3. 2000 wurden folgende Arten nachgewiesen [Tab. 1]. Der Ith gehört hier zu den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden, wobei die auf der Westseite gelegene Ortschaft Dohnsen zum Landkreis Holzminden und die auf der Ostseite gelegene Ortschaft Ockensen zum Landkreis Hameln gehört. Die Kreisgrenze verläuft hier genau auf dem Kamm.
Tab. 1: Am Ith bei Ockensen nachgewiesene Rüsselkäferarten (19.3. 2000)
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leg. BAHR |
leg. BAYER |
leg. STÜBEN |
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Otiorhynchus porcatus (HBST.) |
1 |
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Sitona lineatus (L.) |
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1 |
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Dorytomus taeniatus (F.) |
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2 |
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Anthonomus rufus GYLL. |
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4 |
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Trachodes hispidus (L.) |
2 |
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- |
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Leiosoma deflexum(PANZ.) |
5 |
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- |
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Acalles roboris CURT. |
4 |
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16 |
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Acalles camelus (F.) |
- |
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4 |
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Acalles misellus BOH. |
4 |
1 |
- |
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Ruteria hypocrita (BOH.) |
- |
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- |
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Rutidosoma fallax (OTTO) |
1 |
1 |
1 |
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Ceutorhynchus pallidactylus (MRSH.) |
15 |
1 |
- |
Bei dem Ith handelt es sich um einen schmalen Gebirgszug, der oft weniger als 1 km breit (bei den Dohnsener Klippen nur ca. 500-600 m), aber 20-25 km lang ist und einen schmalen, nach Westen gerichteten Kamm aufweist. Die größte Höhe wird am nördlichen Ende bei Coppenbrügge mit ca. 440 m erreicht. Hier finden sich auch typische Schluchtwaldgesellschaften mit Asplenium scolopendrium oder Acer pseudoplatanus. Bei Ockensen beträgt die größte Höhe 337 m.
Charakteristisch für den Ith sind seine zahlreichen Klippen, hohe Kalkfelswände, aus denen im Laufe der Zeit verwitterungsbedingt Felsen und Steine herausgebrochen sind [Fig. 1]. Das Material besteht wohl überwiegend aus Korallenoolith. Besonders der Kammbereich [Fig. 2] mit seinen Windkanten, die Felswände, die herausgebrochenen Kalkfelsen (Kaltluft erzeugende Blockhalden) und der Kalkfelsschutt sind der Standort einer bemerkenswerten Flora und Fauna; insbesondere seltene Moosgesellschaften, aber auch viele bemerkenswerte Höhere Pflanzen oder seltene Schnecken kommen hier vor.
Die Dohnsener Klippen bei Ockensen sind weitgehend von eschenreichem Kalkbuchenwald mit einzelnen Berg-Ulmen und Berg-Ahornen bewachsen. Schluchtwaldarten wie Aconitum vulparia oder Besiedler natürlicher Blockschutthalden wie Sisymbrium strictissimum sind zum Teil nicht selten vorhanden; die letztere kommt auch sekundär an Waldwegrändern vor. Als weitere seltene Pflanzenarten wurden noch Lunaria rediviva und Cynoglossum germanicum beobachtet (letztjähriger Fruchtstand).
Bemerkenswerte Rüsselkäferarten
Anthonomus rufus
Die im Hügelland mäßig häufige bis seltene Art wurde von Christoph Bayer in einigen Exemplaren von Weißdorn (Crataegus) geklopft, so dass zunächst vermutet wurde, es könne sich um eine der seltenen Weißdorn besiedelnden Arten handeln; A. rufus lebt monophag an Schlehe (Prunus spinosa). In der Regel kommt die Art in trockenwarmen Biotopen vor, wurde hier aber in der Umgebung eines kleinen Bachlaufes nachgewiesen.
Acalles camelus
Dieser bemerkenswerte auffällige Vertreter der Gattung Acalles wird von Kippenberg [Kippenberg 1983] als montane Art bezeichnet. Diese Einschätzung kann jedoch nur für das Hügelland gelten, da die Art (sehr selten) auch in Dänemark vorkommt [Hansen 1996]. Sie ist auch im südlichen Niedersachsen und in den angrenzenden Regionen zweifellos eine seltene Art.
Acalles misellus
Diese seltene Acalles-Art ist aus Deutschland nur aus den nördlichen Bundesländern aktuell belegt, wo sie vor allem küstennahe alte Waldstandorte besiedelt. Sie zeigt ein ausgesprochen nordwesteuropäisches Verbreitungsbild und kommt von Skandinavien bis zu den Pyrenäen vor [Kippenberg 1983]. Aus Westfalen und dem nördlichen Rheinland liegen nur alte Funde vor; im südlichen Niedersachsen wurde sie hier von Friedhelm Bahr zum ersten Mal nachgewiesen, vgl. [Köhler & Klausnitzer 1998] bzw. [Schmidt et al., im Druck]. Bisher sind aus dieser Region nur die nahestehenden Arten Acalles echinatus und Ac. commutatus sowie Acalles camelus, Acalles ptinoides, Acalles roboris und Ruteria hypocrita (Syn. Acalles hypocrita) bekannt. P. STÜBEN, der hauptsächlich im mesophilen Buchenwald auf dem Ostabhang des Ith Siebproben entnommen hat, konnte die Art nicht nachweisen.
Freundlicherweise erhielt ich von Alexander SÜHRIG (Göttingen bzw. Gronau) Bodenfallenfänge aus den Sieben Bergen, einem weiteren größeren Kalkbuchenwaldareal bei Alfeld / Leine, aus dem Jahre 1999 zur Auswertung. Bis auf Acalles misellus ist das Cryptorhynchinae-Artenspektrum dort vollständig mit dem des Ith identisch. Möglicherweise erreicht die westlich verbreitete Art A. misellus im südlichen Niedersachsen am Ith die Ostgrenze ihrer Verbreitung.
Ceutorhynchus interjectus
Diese Art, nach der gezielt gesucht worden war, konnte nicht nachgewiesen werden. Sie befand sich offenbar noch im Winterlager tief im Boden. An den gerade überwinterten, noch ziemlich kleinen Sisymbrium strictissimum-Pflanzen waren auch noch keine Fraßspuren zu beobachten [Fig. 3]. C. interjectus wurde zuletzt am 6.6. 1999 bei einer Exkursion in den Ith (gleicher Fundort) mit Eivind Palm in größerer Anzahl gefunden. Die Rüsselkäferart ist im Ith mit der Pflanze weiter verbreitet und tritt hier an den Klippen und entlang des Kammes sowie einiger Waldwege nicht allzu selten auf. An den zuletzt genannten Sekundärstandorten wird sie offenbar durch im Herbst/ Winter durchgeführte Wegrandsäuberungen zum Offenhalten der Wege gefördert.
Außerhalb des Ith kommt Sisymbrium strictissimum nach Garve in Niedersachsen nur noch an den Weserklippen bei Holzminden vor [Garve 1994]. Wirtspflanze und Rüsselkäfer können für den gesamten norddeutschen Raum als extrem selten eingestuft werden. Die Rüsselkäfer-Art ist monophag 1. Ordnung. Der nächste bekannte Fundort von C. interjectus liegt in Baden-Württemberg. Von dort, und zwar aus der Schwäbischen Alb bei Bremelau, wurde sie von Dieckmann [Dieckmann 1963] als Neufund für Deutschland gemeldet. Offenbar sind bisher aus Deutschland keine weiteren Funde bekannt geworden, d.h. es handelt sich hier erst um den 2. Fundort in Deutschland, vgl. [Dieckmann 1972] sowie [Köhler & Klausnitzer 1998]). Der Rüßler müsste aber noch in weiteren Bundesländern aufgefunden werden können, da die Steife Rauke entlang von Main, Neckar und Donau zahlreiche Fundorte aufweist, siehe [Häupler & Schönfelder 1989]. Nach Dieckmann [Dieckmann 1963] ist der Rüsselkäfer außerhalb Deutschlands nur noch aus Niederösterreich, Mähren, der Slowakei und Polen (ein Fundort: Przemysl) bekannt.
Rutidosoma fallax
Dieser kleine flugunfähige Rüsselkäfer besiedelt alte Waldstandorte des Hügellandes sowie der deutschen und dänischen Küste. In dem dazwischen liegenden Gebiet fehlt die Art. Darüber hinaus kommt sie auch in Frankreich, Italien und auf dem Balkan vor [Dieckmann 1972]. R. fallax lebt an Oxalis acetosella und in manchen Gebieten möglicherweise auch an Rumex sanguineus. Im benachbarten Westfalen ist die Art noch nicht nachgewiesen worden [vgl. Köhler & Klausnitzer 1998].
Auch die Arten Acalles roboris, Ruteria hypocrita, Trachodes hispidus und Leiosoma deflexum sind durchweg flugunfähig und kommen wahrscheinlich nur an alten Waldstandorten vor. Leiosoma deflexum [Fig. 4] ist im Ith häufig und hinterlässt charakteristische Fraßlöcher in den Blättern (und zuweilen sogar in den Blütenblättern) von Anemone ranunculoides (Gelbes Windröschen) [Fig. 5]. Leiosoma deflexum, Ruteria hypocrita und Trachodes hispidus (sowie auch Rutidosoma fallax) wurden im südlichen Niedersachsen auch in den Wäldern der Börde am Rand des Tieflandes nachgewiesen [Sprick, unveröffentl.].
Literatur
Dieckmann, L. (1963): Ceutorrhynchus interjectus Schultze und seine Verwandten. Entomol. Blätter 59(3), 161-162.
Dieckmann, L. (1972): Beiträge zur Insektenfauna der DDR: Coleoptera – Curculionidae: Ceutorhynchinae. Beitr. Entomol. 22(1/2), 3-128.
Garve, E. (1994): Atlas der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. 30(1-2), 1-895.
Hansen, M. (1996): Katalog over Danmarks biller. Entomol. Medd. 64(1/2), 231 pp.
Häupler, H. & P. Schönfelder (1989): Atlas der Farn- und Blütenpflanzen der Bundesrepublik Deutschland. Stuttgart, 768 pp.
Kippenberg, H. (1983): Cryptorhynchinae. In: Freude, H., K.W. Harde & G.A. Lohse (Hrsg.): Die Käfer Mitteleuropas 11, Krefeld, 159-171.
Köhler, F. & B. Klausnitzer (1998): Verzeichnis der Käfer Deutschlands. Entomofauna Germanica. Entomol. Nachr. & Ber. Beih. 4, 1-185.
Knutelski, S. & P. Sczwalko (1992): Description of the larva of Acalles pyrenaeus Boheman, 1844, with notes on ecology and distribution of the species (Insecta, Coleoptera, Curculionidae: Cryptorhynchinae). Faunist. Abh. Staatl. Mus. Tierkde. Dresden 18(15), 191-196.
Schmidt, L., Sprick, P., Hahlbohm, H.-H., Willers, J. & T. Forcke (2000): 2. Nachtrag zum Verzeichnis der Käfer Deutschlands, Region Hannover. Braunschweiger naturkundl. Schr., im Druck.
Sprick, P. (2000): Eignung einer Insektengruppe für die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU (92/43/EWG, 21. Mai 1992) am Beispiel der Rüsselkäfer-Unterfamilie Bagoinae (Col., Curculionidae) (Beiträge zur Ökologie phytophager Käfer III). Insecta, Berlin, Z. Entomol. Naturschutz 6, 61-96.
Adresse des Autors
Dr. Peter Sprick, Weckenstr. 15,
D-30451 Hannover
e-Mail: psprickcol@t-online.de